Wirklichkeiten

Artists'Window im dock, Basel, 2013

Media: Spiegelfolie, Leuchtkasten, schwarzer Molton

 

"Wirklichkeiten" (2013) negiert auf den ersten Blick die Sicht ins Schaufenster und betont mit der spiegelnden Fläche das Fenster mit seinem Rahmen.

Ein imposantes Bild, in dem die Umgebung und wir selbst gespiegelt erscheinen als ein flüchtiges und oberflächiges Abbild des Jetzt. Der Spiegel konfrontiert uns mit uns selbst und lädt zum Sich-Beschauen ein – zum Spielen mit dem Ebenbild.

Der plötzlich aufleuchtende Satz "Ich wär zu einem sorglosen Leben geboren" durchbricht das scheinbar glänzend plane Spiegelbild. Der (Gedanken-)Raum dahinter dringt durch und irritiert mit der sich entwickelnden Gedanken- und Fragenkette – wirft uns aus der narzisstischen Selbstbetrachtung. Dieses Wort- und Spiegelbild schickt uns auf die Reise nach den grossen Fragen des Lebens – den nicht-gelebten Seiten der Sorglosigkeit und der Frage wo wir sie verloren – vielleicht erhascht – haben. Die Spiegelung der gegenüberliegenden Apotheke kann als erweiterter Hinweis gelesen werden, das Rezept für unser Glück darin zu sehen, die sorglose Leichtigkeit des Seins zu geniessen – eine Möglichkeit, der Wahrscheinlichkeit in diesem 'wär' entgegen zu treten.."

Patricia Wolfensberger

 

 

At first sight "Wirklichkeiten" (2013) denies our view inside the shopwindow, underlining the window's surface and its frame by its reflective surface. It's an impressive image in which our surroundings and we ourselves are reflected as a fleeting and superficial image of the now. The mirror confronts us with ourselves and invites us to our self reflection and to play with our own image. The sentence "I would have been born for a carefree life" that suddenly pops up, interrupts the reflective mirror-image. The underlying (thought) room breaks through and irritates us with an evolving chain of thoughts and questions – throws us out of our narcisstic self-reflection. This word- and mirror-play sends us off on a quest for the great questions of life – the un-lived perspectives of carefreeness and the question, where we have lost it. The reflection of the pharmacy opposite can be read as a further hint at seeing the recipe for our happiness, at enjoying the lightness of being – a possibility of encountering the probability of this "would"...

Patricia Wolfensberger